Thema · 3D-Druck

3D-Druck für Technikfans: Verfahren, Kunststoffe, Gewinde

Welches Verfahren wofür taugt, welcher Kunststoff wie viel Wärme und Last verträgt und wie ein Gewinde in ein gedrucktes Bauteil kommt: mitgedruckt, nachgeschnitten oder als Metalleinsatz.

Schnitt durch ein gedrucktes Bauteil mit Bohrung für einen Gewindeeinsatzerwärmtes WerkzeugBauteil (FDM)ø DLT
Abb. 4 · Gewindeeinsatz im FDM-Bauteil, SchnittEigene Zeichnung · schematisch

Drei Verfahren

FDM, SLA und SLS im Überblick

Die drei verbreiteten Verfahren für Kunststoffteile, zusammengefasst nach dem Vergleich von Formlabs.1 Formlabs stellt selbst SLA- und SLS-Drucker her; die Bewertung stammt von dort.

VerfahrenSo funktioniert esStärkenGrenzen
FDMGeschmolzener Kunststoff wird durch eine Düse extrudiert, Schicht für Schicht.günstige Geräte und Materialien, einfache Handhabunggeringere Genauigkeit und grobe Details, sichtbare Schichtlinien, Stützstrukturen werden von Hand entfernt
SLAEine Lichtquelle härtet flüssiges Kunstharz Schicht für Schicht aus.hohe Auflösung und Genauigkeit, glatte Oberflächeeinige Materialien sind empfindlich gegen lange UV-Lichteinwirkung
SLSEin Laser sintert kleine Partikel aus Kunststoffpulver.starke, funktionsfähige Teile, keine Stützstrukturen nötigleicht raue Oberfläche, eingeschränkte Materialauswahl
Druckkopf eines 3D-Druckers über einem gelben, ringförmigen Druckteil auf der Glasplatte
FDM-DruckDer Druckkopf legt den geschmolzenen Kunststoff Bahn für Bahn und Schicht für Schicht ab; auf dem gelben Teil sind die Bahnen zu sehen.Foto: U.S. Marine Corps, Staff Sgt. Britni Garcia, gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Kunststoffe für FDM

Welches Filament hält was aus?

Wir vergleichen sieben Filamente anhand der Datenblätter eines einzigen Herstellers, Polymaker, damit alle Werte unter denselben Bedingungen gemessen sind: gedruckte Proben mit 100 % Füllung, Zugversuch nach ISO 527. Der Hersteller betont, dass es typische Werte zum Vergleichen sind und keine Werte für die Konstruktion.2

  • Wärme: PLA wird früh weich. Sein Glasübergang liegt bei 61 °C, die Wärmeformbeständigkeit (ISO 75, 0,45 MPa) bei 60 °C. PC kommt auf 113 °C und 111 °C.23
  • Die Schichten sind die Schwachstelle: Quer zu den Schichten hält eine PLA-Probe 40,5 MPa, in der Druckebene 52,3 MPa; bei PC sind es 52,8 und 69,1 MPa.23 Für Teile unter Last zählt deshalb, in welcher Lage sie gedruckt werden.
  • Zäh oder spröde: In der Kerbschlagprüfung nach Charpy erreicht ABS 18,0 kJ/m², PLA nur 3,3 kJ/m².24
Pinkfarbenes rundes Druckteil auf dem Druckbett, an der Außenwand feine waagrechte Schichtlinien
SchichtenFrisch gedrucktes Teil, ein Adapter für Tonbandspulen: An der Außenwand sind die einzelnen Schichten gut zu sehen.Foto: Sameer Verma, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons
  • Feuchtigkeit: Nylon (PA) nimmt bis 2,82 % Wasser auf, PLA 0,51 %. Nass sinkt die Zugfestigkeit der Nylon-Probe von 78,0 auf 34,3 MPa. Der Hersteller rät, Nylon nur trocken zu lagern und zu verarbeiten, bei unter 20 % Luftfeuchte.25
  • Gehäuse: Für ABS, ASA, Nylon und PC verlangt der Hersteller einen geschlossenen Bauraum, für PC sogar 70 bis 100 °C. PLA, PETG und TPU brauchen keinen.2345678
  • Draußen: ASA beschreibt der Hersteller als UV-beständig und witterungsbeständiger als ABS.6
  • Biegsam: TPU mit Shore-Härte 95A dehnt sich bis zum Bruch um 551 %.8
  • Nach dem Druck: PC soll laut Hersteller 2 Stunden bei 90 °C getempert werden, damit innere Spannungen abgebaut werden.3

Filamente im Vergleich

Sieben Kunststoffe für den FDM-Druck, alle aus den Datenblättern eines Herstellers, damit die Prüfbedingungen gleich sind. Es sind typische Werte zum Vergleichen, keine Konstruktionswerte.

PLAoffener DruckerPETGoffener DruckerASAgeschlossener Bauraum
Drucken (Empfehlung des Herstellers)
Düsentemperatur °C190–230230–260230–260
Betttemperatur °C25–6070–8075–95
Bauteillüfteranaus bis 20 %aus
Geschlossener Bauraumnicht nötignicht nötignötig
Trocknen vor dem Druck55 °C, 6 h65 °C, 6 h70 °C, 7 h
Wärme
Glasübergangstemperatur °C618198
Wärmeformbeständigkeit HDT °C6078103
Festigkeit der gedruckten Probe
Zugfestigkeit in der Druckebene (X-Y) MPa52,350,843,8
Zugfestigkeit quer zu den Schichten (Z) MPa40,542,832
Bruchdehnung (X-Y) %6,38,46,7
Elastizitätsmodul (X-Y) MPa342721172379
Kerbschlagzähigkeit Charpy (X-Y) kJ/m²3,32,610,3
Material
Dichte g/cm³1,171,251,13
Wasseraufnahme im Gleichgewicht %0,510,540,40
UV- und Witterungsbeständigkeit––laut Hersteller UV-beständig, bessere Witterungsbeständigkeit als ABS

Gewinde im 3D-Druck

Sechs Wege zum Gewinde im Druckteil

Formlabs hat zusammengestellt, wie Schrauben in gedruckten Teilen halten: im Kunststoff selbst oder in einem Metallgewinde.9 Die Bewertungen stammen von dort. Den Startwert fürs Kernloch liefert die Gewindetabelle nach Hartner10; ob er zu deinem Material passt, zeigt ein Probedruck.

WegSo geht esStärkeSchwäche
Gewinde mitdruckenDas Gewinde ist Teil des Modells und entsteht beim Druck.Profil frei gestaltbarverträgt häufiges Montieren schlechter als Metall; nur für größere Gewinde
Gewinde schneidenKernloch mitdrucken, Gewinde danach mit dem Gewindebohrer schneiden.schnell, das Modell bleibt unverändertverträgt häufiges Montieren schlechter als Metall
Gewindefurchende SchraubeDie Schraube formt ihr Gegengewinde beim Eindrehen selbst; den Schraubdom nach Angabe des Schraubenherstellers auslegen.sehr einfach und schnellspröde Materialien können reißen
Einsatz warm einbettenEinen Metalleinsatz mit dem Lötkolben erwärmen und in die Bohrung drücken.bester Halt, MetallgewindeLötkolben und Abkühlzeit nötig
Expandierender EinsatzEinsatz in die Bohrung pressen; beim Eindrehen der Schraube drückt sich seine Rändelung ins Material.sehr guter Halt, einfache Presspassungkann sich bei höheren Temperaturen lösen
Eingelegte MutterEine Sechskant- oder Vierkantmutter in eine Aussparung im Modell setzen.sehr guter Halt, Metallgewindedie Aussparung muss nach dem Druck zugänglich sein

Mitgedruckte Gewinde

Fünf Tipps von Formlabs

  • Nur größere Gewinde drucken, mindestens M6.9
  • Spannungen mit Abrundungen verringern und ein Gewindeprofil wählen, das zu Kunststoff passt.9
  • Für kleinere Gewinde ein halbkreisförmiges Profil auf Schraube und Mutter drucken, mit 0,1 mm Versatz.9
  • Auf Gewindeflächen möglichst keine Stützstrukturen setzen.9
  • SLA und SLS eignen sich dafür laut Formlabs grundsätzlich besser als FDM, weil sie präziser drucken und glattere Oberflächen liefern.9

Gewindefurchend

Wann sich Schrauben direkt eindrehen lassen

Gewindefurchende und selbstschneidende Schrauben brauchen ein Material, das sich verformen lässt: Formlabs empfiehlt duktile Werkstoffe. Spröde Materialien können beim Eindrehen reißen oder brechen; dafür rät Formlabs zur Schutzbrille.9

Wie sehr sich Kunststoffe dehnen lassen, zeigen die Datenblätter: PLA bricht nach 6,3 % Dehnung, ABS nach 17,9 %.24

Einschmelzen in der Praxis

Was die Werkstatt der TU Dresden empfiehlt

  • Geeignet sind ausschließlich thermoplastische Kunststoffe; erfolgreich getestet wurden PLA, ToughPLA und PETG.11
  • Einsätze gibt es je nach Hersteller von M1,2 bis M12. Einsätze größer als M4 hält die Werkstatt technisch nicht für sinnvoll, weil die Verbindung dann weit fester ist als die Einbettung; ausgenommen sind Ersatzteile.11
  • Die Achse der Bohrung steht lotrecht auf der Einbettebene. Die Bohrung darf länger, aber nicht kürzer sein als die Mindesttiefe L.11
  • Um die Bohrung braucht es eine Wand aus Vollmaterial, die im Druckteil vollständig gefüllt sein muss; die Werkstatt empfiehlt, sie gleich im CAD zu konstruieren.11

Maße der Aufnahmebohrung

GewindeBohrung ø DMindesttiefe LMindestwand T
M23,2 mm5,0 mm1,3 mm
M2,54,0 mm6,7 mm1,6 mm
M34,0 mm6,7 mm1,6 mm
M3 kurz4,0 mm5,0 mm1,6 mm
M45,6 mm9,1 mm2,1 mm
M4 kurz5,6 mm5,0 mm2,1 mm
M56,4 mm10,5 mm2,6 mm
M5 kurz6,4 mm6,8 mm2,6 mm

Werte der TU-Dresden-Werkstatt für die dort verwendeten Einsätze.11 Maßgeblich ist das Datenblatt deines Einsatzes.

Auf dem Kanal

Geplante Videos zu diesem Thema

  • In PlanungFDM, SLA oder SLS: Welches 3D-Druckverfahren wofür?Vergleich mit Tabelle
  • In PlanungGewinde im 3D-Druck: Einschmelzmuttern, gedruckte Gewinde, GewindeeinsätzePraxis mit Maßtabelle

Für die Werkbank

Der Gewinde-Spickzettel

Eine Seite zum Ausdrucken: metrische Regel- und Feingewinde mit Steigung, Kernlochbohrer und Kerndurchmesser, dazu die Faustregel fürs Kernloch. Jeder Wert mit Quelle.

  • M1 bis M24 und 17 gängige Feingewinde
  • Kernlochbohrer nach Herstellertabelle, mit Toleranz des Muttergewindes
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